Kreisfeuerwehrverband Neuwied e.V.

Kreisfeuerwehrverband Neuwied e.V.

Für den Ernstfall geübt.
Übungsszenario stellte die Maul- und Klauenseuche da.

Rüscheid Westerwald Ungewöhnlich viele Feuerwehrfahrzeuge befuhren am späten Montag-Nachmittag die kleinen Straßen des Ortes Rüscheid im Kreis Neuwied. Ihr Ziel war ein landwirtschaftliches Anwesen dessen Rinderbestand nach ersten Vermutungen die Maul- und Klauenseuche haben soll, doch es handelte sich um eine durch eine vom Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten in regelmäßigen Abständen durchgeführte Übung zur Bekämpfung von Tierseuchen.

Tierärztin Ilonka Degenhardt fachliche Leiterin der Übung zu den wesentlichen Komponenten dieser Übung: „Nach der Meldung eines ersten Verdachtes erfolgen Untersuchungen durch die Experten des Veterinäramtes, unter anderem durch Blutentnahme oder klinische Befunde. Für die Dauer der Untersuchung wird der betroffene Betrieb bereits gesperrt. Nach Bestätigung werden die erforderlichen Schritte eingeleitet. Hierzu zählen Maßnahmen zur Vermeidung einer weiteren Ausbreitung. Ist die Tötung der Tiere erforderlich müssen umfangreiche Vorbereitungen getroffen werden.“
In den betroffenen Betrieben werden umfangreiche Ermittlungen durchgeführt. Diese umfassen unter anderem mögliche Verbreitungswege und die Ermittlung von Personen, die mit den Tieren in Kontakt geraten sein könnten. Durch das im Gesundheitsamt eingerichtet Lagezentrum werden alle jetzt notwendigen Schritte eingeleitet so die Ärztin.

„Rehhof war Übungsobjekt“

Um die Theorie auch praktisch üben zu können, baute die Feuerwehr gemeinsam mit dem THW eine Vielzahl an Zelten und Gerüsten auf. In den Zelten werden kontaminierte (verschmutzte) Personen mit speziellen Mitteln, die von der Kreisverwaltung zur Verfügung gestellt werden nach dem „Ampel-Prinzip“ gesäubert, wie Norbert Ückerath, Teileinheitsführer des Gefahrstoffzuges Neustadt berichtete. Im roten Bereich wird eine genaue Säuberung der Person durchgeführt, wenn sie einen Schutzanzug trägt, wie das Personal des Gesundheitsamtes, beschränkt sich die Reinigung auf den Schutzanzug, trägt die Person keinen, so muss sie sich komplett entkleiden und wir von Kopf bis Fuß durch Fachpersonal gereinigt.
Nach dieser Reinigung geht es zum gelben Bereich, hier wird der Schutzanzug oder die Kleidung mit Hilfe von Feuerwehrleuten, die sich ebenfalls in Schutzkleidung befinden, abgestreift und in extra dafür vorgesehene Plastiksäcke verpackt, um diese dann fachgerecht entsorgen zu lassen. Zum Schluss folgt der grüne Bereich, hier erhalten die Personen frische saubere Kleidung und sind somit komplett Dekontaminiert. Für den Ernstfall haben wir 30 komplette Sätze an Kleidung, Handtüchern und sonstigen Materialien und bei Bedarf können wir bei anderen Facheinheiten oder der Berufsfeuerwehr Koblenz rasch Nachschub erhalten.

In der Zwischenzeit hat das THW aus Neuwied damit begonnen, eine überdimensionale Waschstraße zu errichten. Neben dem Ausbringen spezieller Folie, mussten unzählige Rohe ineinander gesteckt und miteinander verbunden werden, bis eine Art „Waschturm“ zur Reinigung von Fahrzeugen aus dem betroffenen Gebiet einsatzbereit war. Ilonka Degenhardt: „Jedes Fahrzeug, welches den betroffenen Betrieb verlässt, muss durch diese Schleuse, um eine Verbreitung zu verhindern“.

Bei der durchgeführten Übung waren nach Angaben der Kreisverwaltung Neuwied im Bereich der Stabsübung 50 Personen aus den Veterinärämtern der Verwaltung, Feuerwehr, THW, Bundeswehr und Polizei im Einsatz. Vor Ort kamen noch weitere 80 Einsatzkräfte hinzu. Holger Kurz, Stellvertretender Kreisfeuewehrinspekteur: „Im Realfall wäre die Zahl jedoch deutlich höher und wird sich auf weit mehr als 600 Personen belaufen“

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Hintergrundinformationen zu dieser Übung:

Das Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten führt in regelmäßigen Abständen landesweite Übungen zur Bekämpfung von Tierseuchen durch. In diesem Jahr wird die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche (MKS) geübt. An sechs verschiedenen Stellen im Land wird ein Ausbruch der MKS simuliert.
Eine dieser sechs angenommenen Stellen im Land lag im Kreis Neuwied. Die Amtstierärzte und das Verwaltungspersonal der Kreisverwaltungen Neuwied, Altenkirchen, Westerwaldkreis und Rhein-Lahn-Kreis probten zwei Tage lang gemeinsam mit den Katastrophenschutzeinheiten den Ernstfall eines Ausbruchs der MKS. Das Lagezentrum, von dem aus der Stab die Maßnahmen koordinierte, war im Veterinäramt der Kreisverwaltung Neuwied eingerichtet. Die verschiedenen Szenarien des Tierseucheneinsatzes wurden von der Übungsleitung realitätsnah eingespielt und von den Experten abgearbeitet.

Was ist MKS?
MKS – eine gefährliche, hochansteckende Tierseuche
Die MKS ist eine hoch ansteckende, akut verlaufende, fieberhafte Viruserkrankung der Klauentiere wie Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine. Die wichtigste Ansteckungsquelle sind erkrankte Tiere. Die Übertragung erfolgt sowohl direkt von Tier zu Tier als auch indirekt über viruskontaminierte Personen, Fahrzeugen u. ä. sowie über Produkte der infizierten Tiere. Die Maul- und Klauenseuche ist eine der wirtschaftlich folgenreichsten Tierseuchen. Sie ist gekennzeichnet durch einen raschen Verlauf im Viehbestand und die schnelle Verbreitung über größere Gebiete. Bei den bösartigen Verlaufsformen können 50 – 70% der Jungrinder und Ferkel sterben.
MKS ist für den Menschen ungefährlich. Im Handel angebotenes Fleisch, Milch und Milchprodukte können bedenkenlos verzehrt werden.

An der praktischen Übung waren beteiligt:

Feuerwehr Neustadt
Feuerwehr Etscheid
Feuerwehr Kirchspiel-Anhausen
IUK-Gruppe des Kreises Neuwied
THW Ortsverband Neuwied
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Veterinäramtes Neuwied

Text: Eckhard Schwabe
Fotos: PhotoVision Eckhard.Schwabe Fotograf

 

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